HIV und Aids  in Deutschland und Nordrhein-Westfalen 2018: Insgesamt Rückgang der Neuinfektionen, Anstieg bei Drogengebrauchenden setzt sich fort

Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember 2019 hat das Robert-Koch-Institut (RKI) im jüngsten Epidemiologischen Bulletin die aktuellen Zahlen zu HIV und Aids in Deutschland sowie den einzelnen Bundesländern veröffentlicht. 

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland wird für das Jahr 2018 auf 2.400 geschätzt, dies entspricht einem Rückgang gegenüber der Schätzung für 2017 (2.500 Neuinfektionen). Dieser Rückgang verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig über alle Zielgruppen: Während die Zahl der HIV-Neuinfektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), erneut gesunken ist, steigen die Infektionen durch injizierenden Drogenkonsum seit 2012 auf niedrigem Niveau, aber konstant an. In 2018 gingen geschätzt 310 Neuinfektionen, also knapp 13 Prozent aller Neuinfektionen bundesweit, auf Drogenkonsum zurück. In Nordrhein-Westfalen haben sich geschätzt 75 Menschen über injizierenden Drogengebrauch mit HIV infiziert, dies entspricht einem Anstieg um 20 Neuinfektionen gegenüber 2017 und knapp 15 Prozent aller HIV-Neuinfektionen in NRW 2018 (510).

Während die HIV-Neuinfektionen auf Modellierungen des RKI beruhen, beziehen sich die HIV-Erstdiagnosen auf die übermittelten Meldedaten. Für das Jahr 2018 wurden insgesamt 2.818 HIV-Erstdiagnosen bundesweit gemeldet, dies entspricht einem Rückgang um 10,4 Prozent gegenüber 2017 (3.144 HIV-Neudiagnosen). Ca. 1000 Menschen wurden erst diagnostiziert, als bereits ein schwerer Immundefekt vorlag, ca. 460 mit Vollbild Aids. Auch bei den HIV-Erstdiagnosen geht der Rückgang überwiegend auf MSM zurück, während die Zahlen bei Drogengebrauchenden von 115 (2017) auf 140 (2018) um 22 Prozent gestiegen sind. Der Anstieg bei Drogengebrauchenden geht im Wesentlichen auf steigende Zahlen in Nordrhein-Westfalen zurück (von 36 HIV-Neudiagnosen in 2017 auf 55 Neudiagnosen in 2018). Dieser Anstieg geht laut RKI wiederum überwiegend auf ein Infektionscluster in Köln zurück. 

Die Gesamtzahl aller Menschen mit HIV in Deutschland beträgt nach den Schätzungen des RKI Ende 2018 87.900, davon 8.200 Drogengebrauchende (ca. 9 Prozent). In NRW leben ca. 19.300 Menschen mit HIV, davon geschätzt 1.700 Drogengebrauchende (knapp 9 Prozent). 88 Prozent der Menschen mit HIV sind diagnostiziert, von diesen Menschen wiederum sind 93 Prozent in Therapie. Es ist davon auszugehen, dass dieser Anteil bei Drogengebrauchenden deutlich geringer ist: Die DRUCK-Studie des RKI (2016) hatte eine Behandlungsquote von nur 55 Prozent unter Drogengebrauchenden aufgezeigt. 

Die insgesamt positive Entwicklung bei HIV-Neuinfektionen und –Erstdiagnosen führt das RKI unter anderem auf den Aufbau zielgruppenspezifischer Testangebote und den frühen Behandlungsbeginn zurück. Diese wichtigen Erfolge müssen ausgebaut und allen Zielgruppen zugänglich gemacht werden. Besondere Aufmerksamkeit, so die Deutsche Aidshilfe, erfordert der Anstieg von HIV-Neuinfektionen unter Menschen, die intravenös Drogen konsumieren. Dringend erforderlich sind demnach ein Ausbau von niedrigschwelligen Beratungs- und Testangeboten, die Berücksichtigung neuer Substanzen und Konsumformen in der Prävention, und ein flächendeckender Zugang zu Substitutionstherapien und sterilen Konsumutensilien auch in Haft.

Weitere Informationen:

- Epidemiologisches Bulletin 46/2019 des RKI 
- Eckdaten der Schätzung des RKI zu HIV/Aids in NRW
- Pressemitteilung der Deutschen Aidshilfe 
- Meldung der AG AIDS-Prävention NRW