Robert-Koch-Institut: Rückgang der HIV-Neuinfektionen in 2017

RKI-HIV-statistik

2.700 Menschen haben sich nach den Schätzungen des Robert-Koch-Instituts [RKI] im Jahr 2017 in Deutschland mit HIV infiziert, wie das RKI im Epidemiologischen Bulletin vom 22. November 2018 (PDF-Datei) berichtet. Dies ist ein deutlicher Rückgang gegenüber 2016 (2.900 Neuinfektionen). Somit lebten Ende 2017 geschätzt 86.100 Menschen mit HIV in Deutschland, davon bisher 11.400 noch ohne Diagnose. Ein Rückgang der Neuinfektionen ist insbesondere bei Männern, die Sex mit Männern haben [MSM], zu beobachten, während die Infektionszahlen bei heterosexuellen Menschen und Menschen mit intravenösem Drogengebrauch [IVD] seit 2012 auf niedrigem Niveau ansteigen. Etwa 320 Personen (11,8 Prozent der Neuinfektionen) haben sich 2017 beim intravenösen Drogenkonsum infiziert (Schätzung 2016: 295 Neuinfektionen).

Für Nordrhein-Westfalen schätzt das RKI 550 HIV-Neuinfektionen in 2017 (-55 Neuinfektionen gegenüber 2016), davon 65 IVD (+5 Neuinfektionen gegenüber 2016). Insgesamt lebten in NRW Ende 2017 geschätzt 18.600 Menschen mit HIV, davon 1.600 Menschen, die sich beim i.v. Drogenkonsum infiziert haben. Von diesen 1.600 Menschen haben wiederum 200 noch keine HIV-Diagnose.

Die Gründe für den erneuten Anstieg der lange rückläufigen Infektionszahlen unter i.v. Drogengebrauchenden seit 2012 auf Bundesebene sind, so das RKI, wahrscheinlich vielfältig. Eine mögliche Ursache könnte der vermehrte Gebrauch Neuer Psychoaktiver Substanzen [NPS] sein, die mit einer hohen Injektionsfrequenz verbunden sind. Untersuchungen des RKI zu einem Infektions-Cluster unter IVD in Bayern von 2015 – 2016 haben gezeigt, wie schnell sich HIV innerhalb einer Gruppe, die hochfrequent NPS konsumiert, verbreiten kann. Weitere Daten, wie sie zuletzt im Rahmen der DRUCK-Studie (2012 – 2015) erhoben wurden, seien notwendig, um eventuell noch unzureichend bekannte Herausforderungen für die Prävention bei IVD zu identifizieren. 

Ein Weg, damit der Rückgang der HIV-Neuinfektionen auch bei drogengebrauchenden Menschen ankommt, könnte die Nutzbarmachung neuer Modelle wie Checkpoints, HIV-Selbsttests und HIV-Einsendetests für diese Gruppe sein. Eine weitere Baustelle ist der Zugang zur HIV-Therapie für alle in Deutschland lebenden Menschen mit HIV, inklusive Menschen ohne Papiere und Menschen aus anderen EU-Mitgliedsstaaten ohne gültige Krankenversicherung.