Suchtmedizin kann Aids verhindern

Foto: Deutsche Aidshilfe | Renata CueireBei Drogengebrauchenden und Substituierten wird HIV oft zu spät diagnostiziert oder bleibt lange unbehandelt. Ein Leitfaden der Deutschen Aidshilfe unterstützt Ärzt*innen in der tägli-chen Praxis. Suchtmedizinisch tätige Praxen in Deutschland erhielten in den vergangenen Tagen Post von der Deutschen Aidshilfe. Inhalt: Die Broschüre „HIV früh erkennen und behandeln – Ein Leitfaden für die Suchtmedizin“. Sie soll Ärzt*innen dabei unterstützen, HIV zu thematisieren, einen HIV-Test anzubieten und gegebenenfalls den Therapiebeginn einzuleiten, um schwere Erkrankungen zu vermeiden. Der Leitfaden ist Teil der Kampagne „Kein Aids für alle – bis 2020!“. Er wurde gemeinsam mit Fachleuten aus Suchtmedizin, HIV-Behandlung, Drogenhilfe und Selbsthilfe ent-wickelt.
„Suchtmedizin hat eine Schlüsselrolle“

Prof. Dr. Markus Backmund, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin unter-stützt das Projekt: „Wir Suchtmediziner*innen können eine Schlüsselrolle spielen, wenn es da-rum geht, Aids-Erkrankungen zu verhindern. Für viele Patient*innen sind wir die einzige Anlauf-stelle im Gesundheitsbereich. Durch die Substitutionsbehandlung stehen wir kontinuierlich in Kontakt mit ihnen – eine gute Grundlage für regelmäßige HIV-Tests und erfolgreiche Behandlun-gen.“
Frühe Diagnose und Behandlung sind möglich Menschen, die intravenös Drogen konsumieren oder substituiert werden, sind nicht nur deut-lich häufiger von HIV betroffen als die Gesamtbevölkerung. Bei ihnen wird HIV oft auch zu spät diagnostiziert. Auch wenn die Infektion bekannt ist, bleiben sie in vielen Fällen lange ohne The-rapie – obwohl eine HIV-Infektion nach den medizinischen Leitlinien so früh wie möglich be-handelt werden sollte. Schwere Erkrankungen bis hin zu Aids sind die Folge. Außerdem bleibt HIV ohne Therapie beim Sex übertragbar. In Zahlen: 4,9% der Teilnehmer*innen in der DRUCK-Studie des Robert-Koch-Instituts (2016) waren HIV-positiv (Gesamtbevölkerung: 0,1%). Die The-rapiequote bei Patient*innen mit HIV-Diagnose lag bei nur 55% (Gesamtbevölkerung: 92%). Haupthindernisse für einen frühzeitigen Therapiebeginn sind zu seltene und unregelmäßige HIV-Tests, häufige Ortswechsel, sowie häufig ärztliche Bedenken, dass die regelmäßige Einnahme der Medikamente nicht gelingen könnte.

Studien und Erfahrungen aus der Praxis zeigen jedoch: Auch diese Gruppe ist motiviert, sich behandeln zu lassen und die Therapie funktioniert ähnlich zuverlässig wie bei anderen Pati-ent*innen. „HIV-Therapien sind inzwischen simpel und wirken selbst dann gut, wenn die Adhä-renz nicht perfekt ist“, betont Dr. Hubert Schulbin, substituierender HIV-Spezialist in Berlin. Ähnliches gilt mittlerweile für Hepatitis C. Auch bei der HCV-Infektion unterbleibt häufig eine Therapie, weil Ärzt*innen oder Patient*innen Bedenken haben – trotz hervorragender Hei-lungschancen. Der Schlüssel zum Erfolg: ein offenes Gespräch. So lassen sich regelmäßige Tests empfehlen, Risiken ausloten und Ängste vor der Diagnose oder Nebenwirkungen ausräumen. An diesem Punkt setzt die Broschüre der Deutschen Aidshilfe an.

Weitere Informationen zu den Inhalten der Broschüre sowie einen Link zur PDF-Datei und Bestellmöglichkeiten finden Sie unter aidshilfe.de.