Welt-Hepatitis-Tag 2018: "Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!"

Welt-Hepatits-Tag 2018Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages kritisiert die Aidshilfe NRW mangelhafte Diagnostik und Behandlung. "Die Anstrengungen, Hepatitis zu diagnostizieren, gut zu behandeln und neuen Infektionen vorzubeugen, müssen intensiviert und ausgebaut werden." Dazu ruft Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW, anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags am 28. Juli auf. Chronische Hepatitis B und C betreffen über 300 Millionen Menschen weltweit und auch in Deutschland sind schätzungsweise bis zu 600.000 Menschen erkrankt. Die meisten wissen nichts von ihren Infektionen, die lange symptomlos bleiben. Unbehandelt kann Hepatitis zu Leberzirrhose oder Krebs führen.

"Trotz politischer Lippenbekenntnisse sind die Fortschritte in Prävention, Diagnostik und Behandlung viel zu langsam, um die international vereinbarten Zielsetzungen einhalten zu können", beklagte Kayser. Die seit einigen Jahren verfügbaren neuen HCV-Therapien versprechen Heilungschancen von nahezu 100 Prozent, und das bei deutlich weniger Nebenwirkungen und einer deutlich verkürzten Behandlungszeit. "Trotzdem sind die Behandlungszahlen nach 2015 wieder kontinuierlich zurückgegangen, dabei sind längst noch nicht alle Personen mit HCV-Infektion durchbehandelt", so Kayser.

"Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, wie besorgniserregend die Lage unter Drogen gebrauchenden Menschen ist. Hier besteht immer noch deutlicher Handlungsbedarf, was den Zugang zu Präventionsmaterialien, zu Beratungs- und Testangeboten und zur Behandlung betrifft", sagte Kayser. "Noch prekärer ist die Situation im Strafvollzug. Wir wissen, dass Haft ein ideales Setting zur Behandlung wäre, trotzdem wird hier weniger als ein Prozent der Infizierten jährlich behandelt. Der Zugang zu sterilen Konsumutensilien wird dort weiterhin konsequent verweigert."

Doch nicht allein Drogen gebrauchende Menschen sind gefährdet. Auch in der Zielgruppe der Männer, die Sex mit Männern haben, müsse das Bewusstsein für Übertragungswege, das Risiko von Reinfektionen und die Vorteile einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung gestärkt werden. "Die Aidshilfe NRW ist bereit, sich den großen Herausforderungen zu stellen, die mit der Prävention und der Beratung und Betreuung Hepatitis-Infizierter verbunden ist. Um die damit verbundenen Aufgaben zu erfüllen, bedarf es einer gemeinsamen Kraftanstrengung und der Bereitstellung zusätzlicher Ressourcen", machte Kayser deutlich.

Laut Robert Koch-Institut Jahr wurden im letzten Jahr 4.798 Fälle von erstdiagnostizierter Hepatitis C übermittelt, was einer Inzidenz von 58 Diagnosen auf 1.000.000 Einwohner*innen entspricht. Nachdem es in den vergangenen beiden Jahren zu einem Rückgang der Neudiagnosen gekommen war, ist damit 2017 erstmals wieder ein Anstieg der Inzidenz zu verzeichnen. 2016 wurden 4.429 Erstdiagnosen übermittelt (53 Erstdiagnosen/1.000.000 Einwohner*innen), dies entspricht einem Anstieg von acht Prozent. In Nordrhein-Westfalen wurden insgesamt 999 Erstdiagnosen übermittelt – NRW liegt damit zwar unter dem bundesweiten Durchschnitt, verzeichnet jedoch zum zweiten Jahr in Folge einen Anstieg der Diagnosen (2016: 798 Erstdiagnosen).

Nach wie vor der häufigste Übertragungsweg ist injizierender Drogenkonsum (73 Prozent der Fälle mit bekanntem Übertragungsweg), gefolgt von der Übertragung durch Blutprodukte (9 Prozent), Männern, die Sex mit Männern haben (MSM; 7 Prozent) und injizierendem Drogenkonsum in Haft (5 Prozent).

Der Welt-Hepatitis-Tag ist ein internationaler Aktionstag. Im Jahr 2010 erkannte die WHO-Hauptversammlung Virushepatitis mit einer Resolution als globale Gesundheitsbedrohung an. Seit 2011 wird der Welt-Hepatitis-Tag als offizieller Gesundheitstag der WHO am 28. Juli durchgeführt. Dieses Jahr lautet das Motto des Welt-Hepatitis-Tages "Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!". Im Fokus steht die Herausforderung, die noch unentdeckten Patient*innen zu finden, um diese frühzeitig zu behandeln, vor Spätfolgen zu bewahren und Neuinfektionen einzudämmen.