Alternativer Drogen- und Suchtbericht zeigt neue Wege für die Drogenpolitik

5. Alternativer Drogen- und Suchtbereicht 2018Die Bundesverbände von akzept und JES [Junkies, Ehemalige und Substituierte] sowie die Deutsche AIDS-Hilfe [DAH] stellten am 27. Juni 2018 im Haus der Bundespressekonferenz den 5. Alternativen Drogen- und Suchtbericht vor. Die Publikation versteht sich als kritische Ergänzung zum Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung. Sie benennt Missstände und beschreibt wissenschaftlich abgesicherte Wege, um schädliche Auswirkungen von Drogenkonsum für Individuen und die Gesellschaft zu vermindern. Dazu nimmt sie sowohl legale wie auch illegale Drogen in den Blick.

"Drogenpolitisch ist Deutschland Entwicklungsland", so konstatieren die Herausgeber des Berichts im Vorwort. "Daran muss sich etwas ändern! Ein schlichtes 'Weiter-So' steht im Gegensatz zu einer modernen Drogenpolitik, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und systematisierten Erfahrungen basiert, Verbraucher- und Jugendschutz ernst(er) nimmt und sich von ideologischen und moralischen Scheuklappen befreit."

Inhaltlich deckt der Bericht eine große Bandbreite an Themen ab: Vom Schwerpunktthema Cannabis über Drug-Checking-Angebote und die Auswirkungen des Bundesteilhabegesetzes bis hin zu Behandlungsangeboten in und der Überleitung nach der Haft. Dirk Schäffer, Referent für Drogen und Strafvollzug der Deutschen AIDS-Hilfe, berichtet von der Notwendigkeit des Angebots von Beratung, Testung und Behandlung für Drogengebrauchenden in niedrigschwelligen Einrichtungen – so wie es derzeit die Standorte des Modellprojekts "DAS CHECK ICH!" (in NRW Düsseldorf, Dortmund und Troisdorf) zeigen. Brigitte Bersch (Aidshilfe NRW) sowie Daniel Deimel (Katholische Hochschule NRW) und Heino Stöver (Frankfurt University of Applied Sciences) kommen in ihrem Beitrag zu Spritzenautomaten zu folgendem Fazit: "Intravenös Drogenkonsumierende sind eine vulnerable Gruppe für Infektionserkrankungen. Der niedrigschwellige Zugang zu sterilen Konsumutensilien wie Nadeln, Spritzen und Folien ist, im Rahmen einer gut abgestimmten Strategie der Schadensminimierung (harm reduction), ein zentraler Bestandteil einer modernen Drogenpolitik und -hilfe. Eine niedrigschwellige Versorgung mit sterilen Konsumutensilien, welche jederzeit genutzt werden kann, ist nur über Automaten im öffentlichen Raum möglich. Das Spritzenautomatenprogramm in NRW macht deutlich, wie dies in der Fläche funktionieren kann. Ein gutes Beispiel für andere Bundesländer und politische Entscheidungsträger auf kommunaler Ebene."

Diese und weitere aufschlussreiche Beiträge, wissenschaftlich fundiert und mit wertvollen Anregungen für die Praxis, können Sie im vollständigen Alternativen Drogen- und Suchtbericht (PDF-Datei) nachlesen. Weitere Hintergrundinformationen finden Sie in der Pressemappe von akzept, DAH und JES unter akzept.org.