Bericht zur Drogensituation in Deutschland 2017 veröffentlicht

Foto: blindguard | photocase.deDer Bericht zur Drogensituation in Deutschland 2017 („REITOX-Bericht“), der jährlich durch die Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht [DBDD] als Beitrag zum Europäischen Drogenbericht erstellt wird, wurde veröffentlicht. In insgesamt acht Workbooks werden die aus der Perspektive der DBDD relevanten Entwicklungen in Bereichen wie der Drogenpolitik, der rechtlichen Rahmenbedingungen, der Prävention und der Behandlung dargestellt. Der ca. 10-seitige deutschsprachige Kurzbericht gibt einen kurzen Überblick über aktuelle Entwicklungen:

Leitlinie der deutschen Drogenpolitik ist die die Nationale Strategie zu Drogen- und Suchtpolitik. Eine systematische Evaluation der Auswirkungen der Drogen- und Suchtpolitik gibt es nicht.

Rechtliche Rahmenbedingungen: Wesentliche Neuerungen sind das Neue-psychoaktive-Substanzen-Gesetz (NpSG), das Gesetz „Cannabis als Medizin“ und die neuen Regelungen zur Opioidsubstitution.

Vebreitung von Drogen: Mehr als jede*r vierte Deutsche konsumiert einmal im Leben illegale Drogen. Am weitesten verbreitet ist Cannabis. Die Zahl riskanter Konsument*innen vonHeroin wird auf 58.000 bis 164.000 geschätzt. 

Häufigster Gegenstand der Suchtprävention sind Alkohol, Tabak und Cannabis.

Knapp eine Million ambulante und stationäre Behandlungen für Suchterkrankungen wurden durchgeführt. 2.590 Substitutionsärzt*innen behandelten 78.500 Patient*innen (2016).

Gesundheitliche Begleiterscheinungen: Die Zahl der Drogentoten steigt seit 2012 jährlich an und betrug im Jahr 2016 1.333. Die Anzahl der drogenbezogenen Notfälle, die vollstationär im Krankenhaus behandelt werden, hat sich in den letzten 10 Jahren fast verdoppelt und lag im Jahr 2015 bei 23.839. Im Jahr 2016 wurden 3.419 HIV-Erstdiagnosen gemeldet (davon 5 Prozent durch den Übertragungsweg intravenöser Drogenkonsum) und 4.368 Hepatitis-C-Erstdiagnosen (davon knapp 80 Prozent über i.v. Drogenkonsum). „Die Versorgungsgüte in Deutschland variiert stark“, wie die DBDD in Bezug auf Harm-Reduction-Maßnahmen wie Drogenkonsumräume und Spritzenautomaten feststellt, als besonders schlecht wird die Versorgungslage in Haft benannt.

Drogenmärkte und Kriminalität: Allgemeine Verstöße  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz [BtMG] steigen  seit dem  Jahr 2012 kontinuierlich an auf  231.926 Fälle im Jahr 2016. Die Anzahl  der sogenannten konsumnahen Delikte (z.B. Besitz, Erwerb und Abgabe kleiner Mengen) ist im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um acht Prozent gestiegen.

Gefängnis: Aufgrund von Verstößen gegen das BtMG befanden sich zum Stichtag am 31.03.2016 insgesamt 6.415 Personen (12,6 Prozent aller Inhaftierten) in Einrichtungen des Freiheitsentzugs. In Hinblick auf die Gesundheitsfürsorge in Haft erklärt der Bericht: „Angesichts der häufig mit Abhängigkeit einhergehenden psychischen sowie körperlichen Probleme soll ein  bundesweiter Zugang zu Substitutionsprogrammen gewährleistet und eine Verringerung der Gesundheitsrisiken durch Spritzenaustauschprogramme gefördert werden.“

Den gesamten Kurzbericht sowie die einzelnen Workbooks finden Sie unter dbdd.de.