Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen

Foto: Deutsche AIDS-Hilfe e.V."Menschenrechte für Drogengebrauchende", so lautet das Motto des Internationalen Gedenktags für verstorbene Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher, den die Bundesarbeitsgemeinschaft der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit am 21. Juli inittiert. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung 1.333 drogenbedingte Todesfälle in Deutschland (in NRW 204) registriert. Gegenüber 2015 ist das ein erneuter Anstieg um 9 Prozent (in NRW sogar um 12 Prozent), die Zahl der Drogentoten stieg damit zum vierten Mal in Folge.

"Dramatisch viele Drogenkonsumierende sind mit HIV oder Hepatits C infiziert. Der Zugang zu entsprechenden Beratungs- und Testangeboten und Behandlung ist notwendig, aber lange nicht gesichert", äußerte sich Patrik Maas, Landesgeschäftsführer der Aidshilfe NRW. "Laut der im vergangenen Jahr vom Robert Koch-Institut veröffentlichten DRUCK-Studie zu Drogen und chronischen Infektionskrankheiten in Deutschland haben etwa 44 Prozent der Drogengebrauchenden eine aktive Hepatitis C, 5 Prozent eine HIV-Infektion“, erläuterte Maas. „Es ist ein Skandal, dass nur 32 Prozent der User gegen Hepatitis B geimpft waren und lediglich knapp ein Drittel derjenigen mit Hepatitis
C-Infektion überhaupt behandelt wurden. Darüber hinaus haben knapp die Hälfte der HIV-Positiven keinerlei Zugang zu lebenserhaltenden Therapien."

Es sei unerträglich, so Maas, dass in Deutschland User immer noch Injektionszubehör beim Drogenkonsum teilen, sei es aufgrund fehlender steriler Konsumutensilien oder aufgrund mangelnden Wissens. Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit und Inhaftierung seien zusätzliche Faktoren, welche die strukturellen Bedingungen eines gesundheitsfördernden Verhaltens verschlechtern.

"Wir dürfen unsere Hände nicht in den Schoß legen und uns auf unseren bislang geschaffenen Hilfsstrukturen ausruhen. Neben der von uns seit langem geforderten wissenschaftlich fundierten Überprüfung des Betäubungsmittelgesetzes bedarf es weiterhin eines flächendeckenden Angebots an Drogenkonsumräumen, des Zugangs zum Notfallmedika- ment Naloxon, Drug-Checking-Angebote und verstärkt auch Originalstoffvergabe sowie Spritzenvergabe in Haft. Es geht um nicht weniger als um die Sicherung der Menschenrechte für Drogen gebrauchende Menschen", erklärte Maas.

Seit 1998 wird der 21. Juli als Protest-, Aktions- und Trauertag begangen, um dem Gedenken an die vielen Drogentoten sowie der Gründe und Umstände, die zu ihrem Sterben geführt haben, Raum zu geben: öffentlich und mit medialer Beachtung. Über 150 Organisationen in mehr als 60 deutschen Städten beteiligen sich inzwischen mit Mahnwachen, Trauerfeiern, Musik- und Fachveranstaltungen sowie zusätzlichen Serviceangeboten. Auch in diesem Jahr finden in Nordrhein-Westfalen zahlreiche Veranstaltungen statt, unter anderem in Ahlen, Bielefeld, Bonn, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Köln, Münster, Neuss, Paderborn und Unna.